Das Improvisierte und Imaginative bin ich allzeit selbst. Meine Phantasie formt und versichert sich alleine. Es gibt nichts, das sich mir in eigener Gestalt nicht leibhaftig selbst erschafft. Also bin ich nur ein einzelnes Wort, das ausgesprochen ist, eine offene und verletzliche Form aneinandergereihter Augenblicke, nur ein flüchtiger Gedanke und seine gelegentliche Korrektur. Und jedes Fehlen im poetischen Moment, auch nur der kleinsten Verbindlichkeit, betrifft mich mehr, als ich sagen kann.
Wer will da meinen Schlaf noch regeln? Wer will diesen Schaffensprozess, den ich selbst nicht recht verwalten kann und dem ich trotzdem herzlich angehöre für mich übergriffig steuern und unter Verdacht stellen?
Also, was tun am Ende moderner Realisation und von niederträchtigem Gemache gewissenloser Apparate?
Denn es geht nicht mehr um die Erfindung beliebiger Produkte, nicht nur um Anwendung, noch um die blöde Selbstdarstellung uneigener Künstlerdarsteller.
Es geht um etwas, das ich selbst noch nicht vorstellen und auch nicht sicher veranschaulichen kann. Wenn es etwas Neues sein sollte, ist es wohl das Bemühen über die Bedeutungsform hinaus – DAS UNBEDINGTE ERWARTEN EINES GEMEINSCHAFTLICHEN INHALTS – aber eben nicht als kulturelle Setzung einer aus Raum und Zeit gefallenen Herrschaft perfider Demokraten.
Monat: August 2026
Edition Sonderwege Manuscriptum 2026


Liner/Buntstift auf Papier, 2026, 36 cm x 28 cm

Liner/Buntstift auf Papier, 2025, 41,5 cm x 28 cm
Avis
Ein Lese- und Bilderbuch mit formulierten Wünschen kultureller Neubesinnung, vielleicht eine Grundsatzschrift des Wunderlichen und zugleich eine kritische Zeitaufnahme: vom Untergang westlicher Werteeliten, von der Entregelung der Sinne, und von dem eigentümlichen Versuch, daß sich zwei Meister alter Würdeform noch einmal erlauben, diese Verwahrlosung zu blamieren. Ganz aus der Zeit gepurzelt und ohne weltkünstlerische Ansprüche, über das eigene Empfinden kaum hinausgreifend, bleiben die Geschichten und Zeichnungen dieses Buches fiktionale Erzählungen von und für Phantasten, ohne jeden, wirklich jeden Anspruch auf zeitgenössische Wahrheit. Und doch entspringen sie einer Erfahrung, die tiefer reicht: Wir erleben den unabweislichen Verlust kulturellen Gedächtnisses, den Schwund von Geschichte und damit von Eigensein und Freiheit. Wo die Bedeutung geistigen Werdens erlischt, schwindet auch die Erinnerungan eine eigene gebildete Gestalt; wir sind dann nicht mehr fähig, uns persönlich Rechenschaft zu geben. Darin liegt ein großer Schrecken. Mit wem und was haben wir es dann noch zu tun? Mit einem bloß im Tagesgeschäft befestigten Nicht-Sein, das sich jeder Lenkung und Propaganda sophistischer Interessen öffnet und sich dabei noch artig auf der Seite der Verständigen und Aufgeklärten wähnt. Unerfahren und im Dunkeln speisen wir dann auf immer vom Tisch der Fremde.
