Frank Sämmer, Maler, Studium der Kunst, Kunstwissenschaft und des Künstlerischen Lehramts an der Kunstakademie Düsseldorf, Staatsexamen, Meisterschüler.

Künstlerische Konzeption:  Solitär und versuchsweise Rekonstrukteur des metaphysischen Augensinns. Anwertung von Grenze und goldenem Grund.

Dr. Raimund Litz, MA, Studium der Philosophie, Theologie und Germanistik in Bonn, Münster, Dortmund und München (Hochschule für Philosophie S.J.)

Philosophische Konzeption: Philosophisch-theologischer Schlüsselhüter, das Göttliche als Glutkern des Denkens, Panpsychist

Frankenberg  

Ich bin in Frankenberg geboren, nicht in Sachsenberg unweit. Ein Ort wie das Schaubild des Mondes, auf einem Burgberg gelegen und von der silbergewellten Eder sanft umflossen. Ich habe als Kind nach Westen geblickt – die Rückseite der Stadt habe ich so wenig wahrgenommen wie die Rückseite des Nachtsterns. Meine kindlichen Lebensumstände, alles, was ich sah, dachte und machte, unterlagen der sagenhaften Frankenberger Elle. Aber die alten fränkischen Grenzwächter saßen dort nicht mehr am Vogelherd. Auch die stolzen Ackerbürger hatten sich schon aus dem Gepräge der Stadt verabschiedet. Immerhin war der Fluß noch so breit wie der Rhein und spielte mit mir und dem unendlichen Horizont. Im Schatten des Hains wohnten die Salamander in ehernen Brunnen und regierten die Geschicke der Stadt. Wenige Autos, die zum Untermarkt, zum Obermarkt und zu dem trefflichen zehntürmigen Rathaus hinauffuhren, hatten nur drei Räder.

Und ich wußte noch gar nichts vom Absturz aller Erkenntnis.

Opladen

In alten Zeiten, als Upladhin noch am Rand eines breiten Urstroms lag, in den sich die Wupper von den Bergen herabstürzte, stand auf einer vorgeschobenen Landzunge nahe bei den Wellen das Haus, in dem ich geboren bin. Das war wohl eine schöne Geschichte meiner Eltern, aber ich konnte sie nie so recht glauben und die Fundamente der seltsamen Burg sind auch tatsächlich heute nicht mehr aufzufinden. Und längst die Engel nicht, die sie erbaut hatten.
Was aber als verbürgt gilt, ist die Schilderung, daß sieben Heilige um meine Krippe standen, in den fleischfarbenen Gewändern ihrer Zeit, Geschenke brachten und mich mit großer Zuversicht begabten. Ich lag derweil in den Kissen und erste Gedanken gingen auf und nieder, erste Fragen keimten in meinem runden Kopf. Und es gab erste Antworten, die ich freilich ganz und gar vergessen habe. Meine weichen Hände griffen schon nach dem unendlichen Raum, die kleinen Augen wurden hell.
Da sah ich über mir meine Geschwister unter der Zimmerdecke sitzen mit langen, verwinkelten Beinen. Sie blickten mit Falkenaugen auf den neugeborenen Halbgott herab und lachten sich kaputt.

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